Haid Reha

Hilfe zur
Selbsthilfe

bei Rückenbeschwerden

Ihr persönlicher Ratgeber mit Übungen, Wärmeanwendungen, Neuroathletik, Akupressur und Entspannungstechniken – alles für zu Hause.

Moving-ÜbungenNeuroathletikAkupressur Di 4PMRBodyscanBasentherapie
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Grundlagen

Verstehen, was dem Rücken guttut

Der menschliche Rücken ist ein komplexes System aus Knochen, Gelenken, Bändern und Muskeln. Die meisten Rückenbeschwerden sind muskulärer Natur und entstehen durch einseitige Belastung, Bewegungsmangel oder Stress. Eine Kombination aus gezielter Bewegung, Entspannung und ergonomischem Verhalten im Alltag hat sich als besonders effektiv erwiesen.

Dieses Begleitbuch bietet Ihnen praktische Methoden, die Sie jederzeit zu Hause anwenden können – von sanften Bewegungsübungen über Wärmeanwendungen bis hin zu Atemtechniken, Akupressur und Entspannungsübungen.

Wichtig: Führen Sie alle Übungen langsam und kontrolliert aus. Ein leichtes Ziehen ist in Ordnung – stechende Schmerzen sind ein Stopp-Signal. Bei Unsicherheit sprechen Sie bitte mit Ihrem Therapeuten.
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Wärme & Kälte

Wärmeanwendungen

Wärme ist eines der bewährtesten Hausmittel bei Rückenschmerzen durch Muskelverspannungen. Sie fördert die Durchblutung und hilft der Muskulatur, sich zu entspannen.

MethodeAnwendung & VorteileHinweise
WärmflascheDer Klassiker. Ideal für gezielte Anwendung im Liegen oder Sitzen.Niemals kochendes Wasser einfüllen. Immer mit Bezug verwenden.
KirschkernkissenPasst sich der Körperform an, gibt trockene, angenehme Wärme ab.Erwärmungshinweise des Herstellers beachten.
WärmepflasterSpendet über Stunden kontinuierlich Wärme. Ideal für unterwegs.Bei empfindlicher Haut können Rötungen auftreten.
Feuchte WärmeFeuchtwarmes Handtuch + Wärmflasche. Dringt tiefer ins Gewebe.Nach der Anwendung nicht auskühlen lassen.
WärmesalbenDurchblutungsfördernde Inhaltsstoffe. Einmassieren entspannt zusätzlich.Hände danach waschen. Kein Kontakt mit Augen.
Wärme oder Kälte? Wärme hilft bei muskulären Verspannungen. Bei akuten Entzündungen (Rötung, Schwellung, pochender Schmerz) ist Kälte die bessere Wahl.
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Nach Roswitha Ram-Devrient

Moving-Übungen

Die Moving-Methode ist ein seit 1985 entwickeltes, wissenschaftlich fundiertes Kompaktprogramm. Täglich 1–2 Minuten – stehend, überall und ohne Hilfsmittel.

Schmerzreduktion: Moving entlastet die Wirbelsäule, reguliert das Nervensystem und kann verspannungsbedingte Schmerzen nachweislich lindern. Alle Übungen entstammen dem Qi Gong.

Moving-Übungen als Video ansehen

Das offizielle Moving-Erklärvideo (SVLFG) zeigt alle Übungen in der korrekten Ausführung.

https://www.youtube.com/watch?v=a-Yg9zHrPgQ

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Das Nervensystem trainieren

Neuroathletik

Schmerz entsteht im Gehirn. Neuroathletik setzt genau hier an: Durch gezielte Reize für das Nervensystem kann die Muskelspannung reguliert und das Schmerzempfinden deutlich reduziert werden.

Neurozentrierte Übungen als Video ansehen

Ergänzendes Video zu neurozentrierten Übungen.

https://www.youtube.com/watch?v=w-D9ObnBMjs

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Atemübung

Die Kraft der Atmung

Unsere Atmung ist ein mächtiges Werkzeug zur Schmerzregulation. Eine tiefe Bauchatmung signalisiert dem Nervensystem Sicherheit und Entspannung, was den Muskeltonus senkt.

Die 4-7-8 Atemtechnik

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Einatmen

Mund schließen, ruhig durch die Nase einatmen. Bauch wölbt sich nach außen.

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Anhalten

Atem anhalten. Ruhe und Stille im Körper wahrnehmen.

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Ausatmen

Langsam und hörbar durch den Mund ausatmen. Bauch senkt sich.

Vorbereitung: Zungenspitze an den Gaumen hinter die oberen Schneidezähne legen. Zunächst hörbar und vollständig ausatmen. Zyklus 4-mal wiederholen.
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Achtsamkeit & Entspannung

Der Bodyscan

Der Bodyscan ist eine tiefgreifende Achtsamkeitsübung. Ziel ist es nicht, Schmerzen sofort wegzumachen, sondern den Körper bewusst wahrzunehmen. Dies verändert die Schmerzwahrnehmung im Gehirn.

Zeit & Ort: Nehmen Sie sich 15–20 Minuten an einem ruhigen, warmen Ort. Legen Sie sich bequem auf den Rücken, Arme locker neben dem Körper.
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Ankommen: Legen Sie sich bequem hin. Schließen Sie sanft die Augen und lassen Sie den Körper schwer werden.
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Atmung spüren: Richten Sie die Aufmerksamkeit auf den Atem. Beobachten Sie das Heben und Senken der Bauchdecke, ohne ihn zu verändern.
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Die Füße: Spüren Sie Ihre Zehen, Fußsohlen und Fersen. Wärme, Kälte, Kribbeln – alles ist willkommen.
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Beine aufwärts: Wandern Sie zu Waden, Knien und Oberschenkeln. Bei Anspannung: sanft einatmen und beim Ausatmen loslassen.
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Becken & unterer Rücken: Spüren Sie das Becken und den unteren Rücken – einen Bereich, der oft viel Last trägt.
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Bauch & Brustkorb: Spüren Sie die Organe im Bauchraum und das sanfte Schlagen Ihres Herzens.
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Oberer Rücken & Schultern: Lassen Sie mit jedem Ausatmen die Schultern tiefer in die Unterlage sinken.
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Arme & Hände: Spüren Sie jeden Finger bis in die Spitzen.
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Nacken & Kopf: Entspannen Sie Stirn, Augenpartie und Kiefer. Zunge locker im Mundraum.
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Der ganze Körper: Nehmen Sie den gesamten Körper als Einheit wahr. Der Atem fließt wie eine sanfte Welle.
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Abschluss: Vertiefen Sie den Atem. Bewegen Sie langsam Finger und Zehen, recken und strecken Sie sich.

Bodyscan als geführte Audioübung auf YouTube

Lassen Sie sich durch den Bodyscan führen – ideal zum Einschlafen oder bei akuten Schmerzen.

https://www.youtube.com/watch?v=1UX4JKc5dps

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Tiefenentspannung

Progressive Muskelrelaxation

Die PMR nach Jacobson ist eine der am besten wissenschaftlich belegten Entspannungsmethoden. Einzelne Muskelgruppen werden bewusst angespannt und dann gezielt losgelassen.

Anleitung: Jede Muskelgruppe 5–7 Sekunden kräftig anspannen, dann vollständig loslassen und 20–30 Sekunden die Entspannung genießen.
Nr.MuskelgruppeSo spannen Sie an
1Hände & UnterarmeBeide Fäuste fest ballen
2SchulternSchultern kräftig zu den Ohren ziehen
3GesichtAugen zukneifen, Zähne zusammenbeißen, Stirn runzeln
4BauchBauchdecke fest nach innen ziehen und anspannen
5Gesäß & unterer RückenGesäßmuskeln fest zusammenkneifen
6Beine & FüßeZehen nach oben ziehen, Beine durchstrecken
Abschluss: Nach dem letzten Schritt noch 2–3 Minuten ruhig liegen bleiben. Spüren Sie die Schwere und Wärme in Ihrem Körper.
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Der Meisterpunkt

Akupressur: Dickdarm 4

Akupressur ist eine jahrtausendealte Methode der TCM. Dickdarm 4 (Di 4) – „Vereinte Täler" – ist der „Meisterpunkt für alle Schmerzen im Oberkörper".

Wichtig: Dieser Punkt darf in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, da er wehenfördernd wirken kann.

Den Punkt finden

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Legen Sie Daumen und Zeigefinger einer Hand eng aneinander. Es bildet sich ein kleiner Muskelhügel.

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Entspannen Sie die Finger wieder. Lassen Sie den Daumen der anderen Hand in die Vertiefung sinken.

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Der Punkt ist gefunden, wenn er bei Druck leicht schmerzt oder ein tiefes Druckgefühl auslöst.

Anwendung

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Mit dem Daumen für ca. 45 Sekunden kräftig in Richtung des Zeigefingerknochens drücken.

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Dabei ruhig und tief weiteratmen.

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Anschließend auf die andere Hand wechseln.

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Bei akuten Schmerzen: 3- bis 4-mal täglich anwenden.

Wirkung: Di 4 wirkt besonders gut bei Schmerzen im Bereich des Nackens, der Schultern, des Kopfes und des Oberkörpers. Er beruhigt das Nervensystem und kann bei Schmerzspitzen rasch Linderung verschaffen.
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Rückenfreundlich leben

Alltag & Wasser

[Arbeit]

Dynamisches Sitzen

Wechseln Sie häufig Ihre Sitzposition, stehen Sie auf, strecken Sie sich. Die beste Sitzposition ist immer die naechste.

[Kraft]

Richtiges Heben

In die Knie gehen, Rücken gerade halten, aus der Kraft der Beine heben. Lasten nah am Körper tragen.

[PC]

Ergonomie

Stuhl und Bildschirm optimal einstellen. Bildschirm auf Augenhöhe, um Nackenverspannungen zu vermeiden.

[Yoga]

Stressabbau

Psychischer Stress führt zu Muskelverspannungen. PMR, Yoga oder Atemübungen helfen, Stress abzubauen.

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Ausreichend Trinken – Wasser für die Bandscheiben

Die Bandscheiben bestehen zu ca. 80 % aus Wasser und fungieren als Stoßdämpfer. Ohne ausreichend Flüssigkeit verlieren sie an Höhe und Elastizität. Empfehlung: 1,5–2 Liter täglich, gleichmäßig über den Tag verteilt.

✅ Geeignete Getränke
  • Stilles oder leicht gesprudeltes Wasser
  • Kräutertees (Teufelskralle, Weidenrinde)
  • Grüner Tee (in Maßen)
  • Verdünnte Fruchtschorlen
⚠️ Weniger geeignet
  • Kaffee & schwarzer Tee (in großen Mengen)
  • Alkohol (entwässernd)
  • Zuckerhaltige Getränke
  • Energy Drinks
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Entsäuern & Entgiften

Basentherapie & Bürstungen

Eine latente Übersäuerung kann das Schmerzempfinden verstärken. Studien zeigen, dass basische Mineralstoffe chronische Rückenschmerzen deutlich lindern können.

A – Basentherapie

MethodeAnwendungHinweise
Basische ErnährungViel Gemüse, Kräutertees, basisches Mineralwasser. Weniger Fleisch, Zucker, Alkohol.70 % basisch, 30 % säurebildend ist ein gutes Ziel.
Basenbad / Vollbad20–40 Min. Vollbad mit Basensalz (z. B. MeineBase) oder Kernseife als günstige Alternative. 1–2× pro Woche.Wassertemperatur ca. 37°C. Danach gut eincremen.
Basenfußbad20 Min. Fußbad mit Basensalz oder Kernseife. Einfach, entspannend, jederzeit.Ideal abends vor dem Schlafengehen.
BasenpulverTäglich basische Mineralstoffe als Nahrungsergänzung, morgens auf nüchternen Magen.Rücksprache mit Arzt oder Therapeut empfohlen.

B – Bürstungen nach Jentschura

Trockenbürstung

Morgens vor dem Duschen, 3–5 Minuten. Immer in Richtung Herz (herzwärts) bürsten. Reihenfolge: Füße → Beine → Gesäß → Bauch → Arme → Schultern → Rücken.

Nassbürstung

Während des Basenbades alle 15 Minuten bürsten. Kombiniert mit Basensalz oder Kernseife. Verstärkt die Ausscheidung über die Haut deutlich.

Wirkungen der Bürstungen

  • Lockert die Muskulatur und löst oberflächliche Verspannungen
  • Aktiviert den Lymphfluss und fördert die Durchblutung
  • Unterstützt die Ausleitung von Säuren über die Haut
  • Entfernt abgestorbene Hautzellen – natürliches Peeling
  • Fördert das allgemeine Wohlbefinden und gibt Energie
Bitte beachten: Nicht auf verletzter Haut, bei Rötungen, Akne oder sehr empfindlicher Haut anwenden.

Ihr Weg zu einem gesunden Rücken

Rückenbeschwerden müssen kein Dauerzustand sein. Mit einer Kombination aus Wärme, Übungen, Neuroathletik, Atmung, Akupressur und Basentherapie haben Sie wirksame Werkzeuge an der Hand. Hören Sie auf Ihren Körper und integrieren Sie diese Helfer als feste Rituale in Ihren Alltag.

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